Joachim Hermann zum Verhältnis der Flughäfen München und Nürnberg

Bündnis 90 / Die Grünen und die Landtagsfraktion der Freien Wähler haben in den letzten Wochen vorgeschlagen, den angeschlagenen Flughafen Nürnberg als Ersatz für den Bau der 3. Start- und Landebahn zu nutzen. Damit könnte Investitionen vermieden werden und dennoch die Wachstumsfähigkeit gewährt werden – so die etwas blauäugige, aber auch durchsichtige Argumentation der Dagegen-Initiativen. Innenminister Joachim Hermann hat hierzu auf Anfrage Stellung bezogen:

Sehr geehrter Herr Herrmann,
Sie sind doch seit einer Woche Verwaltungsratsvorsitzender des Nürnberger Flughafens (siehe sueddeutsche.de ). Ich weiß nicht, ob man Ihnen zu diesem (zusätzlichem) Amt wirklich gratulieren oder eher Mitleid haben sollte.
Bekanntlich ist dieser Flughafen schon seit langer Zeit hoch-defizität (siehe sueddeutsche.de ). Eine Besserung scheint leider nicht in Sicht zu sein.  Ein Anteilseigner, die Stadt Nürnberg, wehrt sich gegen Bestrebungen, die “verlängerte Werkbank” des Münchener Flughafens zu sein (siehe merkur-online.de ). Andererseits kann -langfristig betrachtet- nur eine (wesentlich) stärkere Auslastung den Nürnberger Flughafen retten und sein Dasein rechtfertigen.
Meine Fragen:

  • Warum machen Sie sich nicht (öffentlich wahrnehmbar) dafür stark, dass die LUFTHANSA den Nürnberger Flughafen anstelle von München verstärkt anfliegt, so dass MUC stärker entlastet wird?
  • Teilen Sie meine Auffassung, dass, sollte dies so umgesetzt werden, auf den Bau der 3. Startbahn in München auf jeden Fall verzichtet werden könnte?
  • Sprechen Sie über dieses Thema auch mit Ihrem Kabinetts- und Parteikollegen sowie bayerischem Finanzminister Dr. Markus Söder? (Bekanntlich ist Söder Verfechter der 3. Startbahn in München und Verwaltungsratsvorsitzender von MUC. Ausserdem hat er den Vorsitz des neugegründeten sog. “Flughafenbeirats” in Nürnberg (siehe SZ-Artikel oben).)
  • Verstehen Sie, dass ich als bayerischer Steuerzahler kaum noch Verständnis für die dauerhafte (!) öffentliche Subventionierung dieser beiden bayerischen Flughäfen habe (und u.A. deshalb erklärter Gegner der 3. Startbahn bin)?

Für die Beantwortung meiner Fragen im Voraus herzlich dankend verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen aus (85386) Eching

Hier die Antwort des Innenministers:

Sehr geehrter Herr Langenstück,
die Flughäfen München und Nürnberg sind wichtige Infrastruktureinrichtungen für die jeweilige Region und darüber hinaus für ganz Bayern und seine Bürger. Sie geben starke wirtschaftliche, beschäftigungspolitische und auch touristische Impulse.

Ihr Vorschlag eines Verzichts auf die 3. Start- und Landebahn für den Flughafen München würde nicht unweigerlich mit einer Verlagerung von Flugbewegungen in Richtung Nürnberg einhergehen. Vielmehr würden Fluggesellschaften wichtige, insbesondere interkontinentale Flugverbindungen an andere expansive europäische Verkehrsflughäfen mit einem weltweit agierenden Drehkreuz positionieren. Als Folge entstünden also nicht unbedingt Vorteile für Nürnberg, sondern in erster Linie Nachteile für München und für die wirtschaftliche Situation in ganz Bayern.
Um die wirtschaftliche Situation am Flughafen Nürnberg nachhaltig zu verbessern, ist es vielmehr erforderlich, beispielsweise neue, für die Metropolregion bedarfsgerechte Flugziele, z.B. durch den Ausbau ausländischer, auch osteuropäischer Städteverbindungen zu gewinnen.
Selbstverständlich stehen die Vertreter des Aufsichtsrates untereinander wie auch zur Geschäftsführung in einem engen Dialog. Speziell mit meinem Kollegen Staatsminister Dr. Markus Söder und auch den anderen Kabinettsmitgliedern bin ich laufend in Kontakt. Dabei ist es mir ein Anliegen, immer auch die gesamtbayerischen Interessen im Auge zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Joachim Herrmann, MdL
Bayerischer Staatsminister des Innern

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