Der Wert von Gutachten … wenn die Grünen ein Gutachten bestellen

Über das bestellte Gutachten zu den Arbeitsplatzwirkungen der Grünen bayerischen Landtagsfraktion

Zwischenzeitlich liegt auch das Gutachten vor, welches die Grünen gestern mit lautstarken Worten angekündigt haben. Was gestern schon ersichtlich war, wird heute schnell deutlich:

Das Gutachten ist eigentlich nichts anderes als eine Ansammlung von Meinungen, die seitens der Grünen bereits bekannt waren.

Zunächst fällt bereits methodisch auf, dass der Gutachter an vielen Stellen behauptet, es wäre etwas zwischenzeitlich Standard – und bleibt hierfür jedoch jeden Beweis schuldig. Wer so vehement ein Gutachten, welches nicht nur wissenschaftlichen Grundsätzen folgt, sondern auch von unabhängigen Insitutionen wie der Planfeststellungsbehörde geprüft wurde, muss relativ sicher sein in seinen Aussagen und diese belegen können. Diesem Erfordernis kommt der Gutachter nicht nach.

Aber auch an anderen Stellen leidet das Gutachten darunter, dass hier eine vorgefertigte Meinung bestätigt werden sollte.  So behauptet der Gutachter auf S. 30

Die Kaufkraftströme werden im Gutachten unvollständig behandelt.Es werden nur vorteilhaft (aus Sicht des Auftraggebers des Gutachtens) wirkende Effekte behandelt. Kausalitäten werden behauptet, aber nicht nachgewiesen.

Man sucht aber vergebens, diese auch noch in seinen Ausführungen zu finden. Richtig ist zwar die Schlussfolgerung, dass die Arbeitsplatzwirkungen “überzeichnet” sein können durch das Fehlen der negativen Kaufkraftströme. Welcher Art diese jedoch sind und welches Nettoergebnis dabei entsteht, bleibt der Gutachter jedoch schuldig.

Der Gegen-Gutachter der Grünen bemängelt, dass ihm und Anderen Daten, die Grundlage der Intraplan-Analyse waren, nicht zugänglich gemacht wurden. Diese Kritik ist zwar nicht ganz unberechtigt, jedoch kann jeder entsprechende Daten einkaufen – und sie dann verfügbar machen. Der Gutachter, Prof. Thießen, macht dann aber den grundsätzlichen Fehler, sich auf “Prognoseergebnisse” zu stützen und behauptet pauschal,:

Tatsache ist, dass die Prognose im Fall Münchens zu hoch war. Genau dasselbe Phänomen trat beim Gutachten für den Ausbau des Flughafens Frankfurt auf.

Wie er zu dem Ergebnis kommt, versucht er gar nicht erst darzulegen. Vielmehr unterstellt er, dass Intraplan aufgrund seiner reduzierten Prognosewerte im Gegensatz zum ersten Gutachten erneut falsch liegt. Ein solcher Schluss ist bereits deshalb unzulässig, weil zwischen dem ersten Gutachten und der Ergänzung 2007 es grundlegende wirtschaftliche Verschiebung eingetreten sind. Diese haben generell die wirtschaftliche Entwicklung in einem schlechteren prognostischen Umfeld sich darstellen lassen.

Auch ein Rückgriff auf die Prognosen zum Flughafen Rhein-Main-Airport Frankfurt und die dort aufgetretenen Verschiebungen ist methodisch unzulässig, um dahingehend intraplan eine Ungenauigkeit auf München zu unterstellen. Hier bleibt der Gegen-Gutachter bereits schuldig, wieso diese Verschiebungen aufgetreten sind.

Völlig abstrus wird die Argumentation, wenn der Gutachter die Abgrenzung der Untersuchungsregion kritisiert. Auf Seite 11 heisst es hierzu:

Die Gutachter unterscheiden zwischen dem Untersuchungsgebiet und der Metropolregion. Das Untersuchungsgebiet ist ein Gebiet mehrerer Kreise im Umkreis des Flughafens, das im Südwesten durch die Stadt München ergänzt wird. Der sog. Münchener Speckgürtel, in welchem sich dynamische und für die Region wichtige Unternehmen befinden, wird nicht in das Untersuchungsgebiet einbezogen. Dabei hat sich gerade in diesem Speckgürtel in der Vergangenheit Wachstum gezeigt (vgl. Thierstein, 2009).

Die Unternehmen und Anwohner dieser Zone benutzen den Flughafen nicht weniger als die Anwohner des Untersuchungsgebietes.

Die Schlussfolgerin in diesem Absatz ist zwar richtig. Jedoch wirkt sich dies auch nach den eigenen Aussagen des Gutachters positiv auf die Verkehrszahlen für den Flughafen München aus. Dies bleibt der Gegen-Gutachter jedoch in seiner weiteren Ausführungen schlicht schuldig, weshalb dieses Gutachten seine Brauchbarkeit bereits an diesem methodischen Fehler eingangs verliert.

Es kommt jedoch noch an einer anderen Stelle dazu, dass der Gegen-Gutachter methodisch dermassen unsauber arbeitet, dass dadurch der Wert des Gutachtens vollkommen entblösst wird – er ist nicht vorhanden. Wenn der Gegen-Gutachter ausführt, dass die Passagiere in fremden Regionen Geld ausgeben (S. 14 ff.), so ist dies richtig. Der Schluss jedoch, dass dadurch negative Auswirkungen auf den Heimatmarkt auftreten, ist in dieser Konsequenz mindestens anzweifelbar – aber im Ergebnis falsch. Passagiere geben auf Reisen Geld beispielsweise für Unterbringung oder Verpflegung aus oder auch für Souvenirs – dies würden sie nicht tun, wenn sie daheim bleiben. Bestenfalls kommt es zu einer Umlenkung dieser Ströme, wenn die Passagiere statt nach Mallorca fliegen nach Österreich fahren.

Im Ergebnis kommt man zu dem Schluss, dass es sich nicht um ein Gutachten, sondern allenfalls um einen Diskussionsbeitrag handelt. Die methodischen Fehler und die fehlende Begründungsfähigkeit des Gegen-Gutachters entwerten seine Aussage – was vor dem Hintergrund des Bestellers des Gutachtens nicht anders zu erwarten war.

Damit bleiben die Aussagen weiter gültig: Der Flughafen München ist anhand seiner vergangenen Leistungen wie auch auf der Basis der dargestellten Prognosen von intraplan weiterhin ein Wachstumsmotor – mit einer dritten Start- und Landebahn.

Advertisements