Zum Schluss die Zugriffszahlen

Es wurde viel spekuliert scheinbar und einige der Akteure auf diesem Blog scheinen eine richtige Panik bekommen zu haben. Nun auch deshalb – nachdem alles gesungen ist und wir schliessen: hier die nackten Zahlen zum Zeitpunkt der Öffnung  der Wahllokale – die Zugriffszahlen.

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Wir hatten zuletzt auf dieser Seite 104 Follower, die jedes Posting nach ihrem eigenen Eintrag automatisch zugesandt bekommen haben. Auf Twitter sind mehr als 280 Tweets und hier rund 60 Comments.

Die Dagegen-Bewegung: Eine Form des Tea Party Movement

Von Felix Stachelhase

In den USA machte 2008 eine neue Bewegung Furore: die Tea Party Bewegung. Es war weniger der Rückgriff auf die historische Bewegung, die im 18. Jahrhundert zur Amerikanischen Revolution der Freiheit geführt hat, sondern die Radikalität in den Argumenten, die diese Bewegung bestimmte. Sie war gegen Argumente immun und verfolgte mit einem Hass Democrats im Allgemeinen und Präsident Obama im Besonderen, die in den USA bisher unbekannt war.

Wenn ich einen Blick auf den Bürgerentscheid in München und die gesamte Diskussion werfen, kommen mir entsprechende Assoziationen. Die Tea Party, mit Michelle Bachmann und Sahra Pallin an der Spitze, sind wie die Münchner Dagegen-Bewegung der Grünen nicht darauf aus, eine Entwicklung zu gestalten – sie sind dagegen. Sei es die Homoehe, Steuern oder der Staat an sich. Kinder gehören in die Familie – noch besser in die Jugendgruppen der Kirchengemeinden – und der gesellschaftliche Fortschritt ist quasi vom Teufel gemacht.

Ähnlich ist dies in München bei den Grünen. Auch sie haben eine Form der Ideologisierung erreicht, die jegliche Argumentation ad absurdum führt. Sie wollen auch gar nicht an Fakten erinnert werden. Dafür zwei Beispiele:

  • Die Grünen sprechen immer von einer Kapazität der vorhandenen beiden Bahnen von 500.000 Starts und Landungen im Jahr und haben sich auf das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bezogen. Nicht umsonst hat sich dieses zwischenzeitlich deutlich von einer solchen Beurteilung distanziert. Denn würde doch dies eine Gleichverteilung bedeuten – eine Annahme, die nicht nur in München der Realität widerspricht.
    Wie die heilige Madonna tragen dennoch die beiden Frontfrauen diese 500.000-Irritation vor sich her. Sie haben sich in diese Zahl so verliebt, dass die Sachargumente für sie nicht mehr zählen – sie diese gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen.
  • Der andere Fall ist der Heimat- und Naturschutz. Der Heimatbegriff ist auch in Deutschland heute nicht mehr so relevant und die Grünen kennen auch das Grundgesetz, welches Enteignungen zum Gemeinwohl zulässt. Sie nehmen es einfach nicht zur Kenntnis und wiegen damit die Menschen in Sicherheit. Manche wenige Aktivisten wie Marc Daniel Heintz sind in der Tat Idealisten und haben sich vor den Karren spannen lassen – aber sie müssen gleichzeitig immer wieder einräumen, dass sie noch nie eine Verhandlung geführt haben und Verhandlungsstrategien kennen.
    Der Naturschutzbegriff ist in der Tat eine andere Sache. Aber auch hier bietet die FMG eine Lösung an – nur nehmen dies die Dagegen-Initiativen auch nicht zur Kenntnis.

Wie bei der Tea Party gibt es auch bei den Dagegen-Initiativen ein paar wenige Karrieristen, die die ganze Sache steuern und darauf ihren eigenen Erfolg aufbauen. Katharina Schulze wie Helga Stieglmeier zählen genau hier – quasi das deutsche Gegenstück so Michelle Bachmann und Sarah Pallin.

Die Münchner müssen sich nun die Frage stellen: Wollen Sie eine Tea Party auch in Deutschland? Die Antwort dürfte eindeutig ausfallen, denn eine Politik, die an Fakten orientiert ist, hat nicht nur den USA gut getan – es war auch Deutschland, welches bis heute hiervon gut gelebt hat. Und der Wähler hat immer klug und weise entschieden bisher: die Tea Party spielt in den USA keine überragende Rolle mehr – und auch die Grünen in Deutschland sind bereits auf dem absteigenden Ast. Grün sein war lange hipp, irgendwann wird es aber aber auch notwendig, sich programmatisch von den Maximalforderungen zu lösen – ein Schritt, den die Grünen nie vermocht haben.

Felix Stachelhase ist in Albany, NY, geboren und aufgewachsen. Er lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Deutschland.

Wenn aus Politik ein ideologischer Grabenkrieg wird

von Dag Burns

Es gab in Deutschland einmal eine Zeit, da standen sich extrem linke und extrem rechte Kämpfe ideologisch geprägt gegenüber. Schaut man sich den Münchner Bürgerentscheid zum Flughafen und auch im Rückblick S21 an, fühlt man sich unweigerlich in diese Zeit zurück versetzt. Das linke Lager der Politik in Deutschland ist auf einen ideologischen Trip – und dies schadet dem Land. Hierzu passt es auch, wenn die Grünen – durch ihre Initiative aufgeMUCkt – zum Boykott der Unternehmen aufrufen, die sich für den Bau der 3. Stadt- und Landebahn einsetzen. Dies klingt sehr stark nach der Parole „Kauft nicht beim Juden“ – die ein unheilvolles Kapitel der deutschen Geschichte einläutete.

Betrachtet man den Kampf um den Bürgerentscheid von aussen, so könnte man zu dem Ergebnis kommen: Es geht um die blanke Existenz des Lebens. Die Grünen haben eine uralte Krankheit der Linken ausgepackt: sie wurden ideologisch und sind nicht mehr bereit, über ihre Position zu streiten und für sie argumentativ zu werben. Schaut man auf die Facebook-Seiten der Contra-Seite, so fällt auf, dass hier wahllos gelöscht wird, wenn eine Position nicht gefällt. Es werden die Werbeträger der Befürworter ins Lächerliche gezogen und es werden hohle Phrasen gedroschen. Werden konkrete Fakten abgefragt – so kommt man schnell an die Grenzen dessen, was möglich ist.

Wenn versucht wird, fremde Accounts und Websites sperren zu lassen oder von Diskussionen auszuschliessen, so gehen die Grünen einen bedenklichen Weg. Gerade ein Land, welches zweimal Gewaltdiktaturen erlebt hat, muss sich hier mehr als dreimal überlegen, ob sie so etwas wieder dulden. Ein Bürgerentscheid ist eigentlich ein Instrument der Einbindung – und dies scheint bei den Grünen nicht angekommen zu sein, die wesentlich lieber ausgrenzen.

Dialog mit dem Bürger wird klein geschrieben

Man kommt zu dem Eindruck: hier soll etwas platt gemacht werden. Hier werden Fakten nicht zur Kenntnis genommen wie der grossen Staus während der Stosszeiten und die Gegner fallen aus allen Wolken, wenn in Anspruch genommene Referenzgeber aus fachlichen Gesichtspunkten eine solche Referenz weit von sich weisen. Ich komme hier zu dem Eindruck, dass ganz bewusst seitens der Grünen Partei Zahlen falsch interpretiert werden, um einen ideologischen Kampf begründen zu können.

Ideologie hat jedoch in einem Bürgerentscheid nichts verloren. Tim Osten hat es im Interview richtig gesagt: Es ist nichts falsches dabei, grundsätzliche Werte einzubringen. Aber es ist falsch, Ideologie ohne Basis einzubringen und eine der fehlenden Basispunkte der Grünen ist ein Konzept, wie die Mobilitätserfordernisse bewältigt werden. Kommt dann noch Diskussionsverweigerung hinzu, wird es aus demokratischer Sicht problematisch.

Missbrauch des Instruments

Neben dieser Ideologisierung ist ein anderes Momentum heraus stechend: die zeitliche Komponente und die Auswahl des Abstimmungskreises. Wie bereits in Stuttgart 21 laufen die Vorbereitungen für den Bau der dritten Startbahn bereits mehrere Jahre. Aber erst unmittelbar vor Landtagswahlen wird ein Bürgerentscheid initiiert und bewusst der Verlust von Millionen Euro-Beträgen in Kauf genommen. Anstatt rechtzeitig zu intervenieren, wird lange gewartet und das politische Momentum abgewartet – und damit das Instrument entwertet. Es war bereits in Stuttgart 2011 deshalb ein weitverbreiteter und nicht unberechtigter Eindruck vorhanden, dass dies alles nichts mehr bringt.

Die andere Frage ist die Wahl des Abstimmungskreises. Katharina Schulze hat im Interview verdeutlicht, dass sie nur in München eine Chance gesehen hat, ihr Ziel zu erreichen. Auch hier zeigt sich wieder, dass es nicht eine echte Bürgerbeteiligung geht, sondern um die bedingungslose Durchsetzung der eigenen Ziele. Wenn die Grünen Vertreter sehr frühzeitig deutlich gemacht haben, dass sie das Ergebnis nur im Sieg akzeptieren, dann dokumentierten sie die Missachtung des Bürgerwillens – und es ist fraglich, ob Schultzes Ankündigung im Interview wirklich ernst zu nehmen wäre.

Ideologischer Grabenkampf in Transparenz

Katharina Schulze hat mich nach dem Interview gefragt, ob ich hier die Antworten aus meinen Gesprächen mit der Pro-Seite geben könnte. Einmal abgesehen davon, dass dies bereits recht unprofessionell ist – müsste sie doch wissen, dass ein Journalist nie seine Quellen preisgibt – zeigt sie hier ein erschreckendes Bild, den selbst sind die Grünen nicht bereit, ihre Zahlen und Strukturen offen zu legen.

Sie hat ein beliebtes Spiel angestimmt: David gegen Golliath. Ein Spiel, welches nur auf den ersten Blick verfängt. Denn wenn man allein die Materialschlacht der Grünen anschaut wird deutlich: mit 80.000 Euro kommt man da nicht aus. Es wurden Filme gemacht, Unmengen an Flyern und Plakaten produziert, Fahrzeuge besorgt und Kinospots präsentiert. Gleichzeitig wurden externe Gebäudekletterei eingeflogen und eine eine teure Infrastruktur mit hauptamtlichen Kräften unterhalten. All dies ist selbst für wenige Monate nicht mit 80.000 Euro zu finanzieren.

Mein Fazit

Mein Fazit fällt nüchtern aus und es ist symptomatisch für Deutschland: eine kleine Gruppe von Berufsaktivisten – meist Angehörige des öffentlichen Dienstes – versucht mit hohem medialem Aufwand eine Show abzuziehen. Die Folge sind Stillstand in einem einmal hochdynamischen Land, welches sich nach Krieg (1945) und Wende (1990) selbst am Schopf gepackt hat. Ein solches wäre heute nicht mehr möglich – und alle Mediationsverfahren haben gezeigt: nur wenn alles wieder am Boden liegt werden die Berufsaktivisten zurück gedrängt. Sie schöpfen ihre Kraft aus dem Destruktiven dargegen sein – unfähig, Kreativität produktiv zu entfallten.

Dag Burns ist Deutsch-Amerikaner und hat in der vergangenen Woche an dieser Stelle zwei Interviews mit Katharina Schultze und Tim Osten veröffentlicht. Die Interviews finden Sie in der Rubrik “Im Interview“.

Sieben Tage und die Dagegen-Menschen werden unflättig

Es sind noch sieben Tage bis zum Bürgerentscheid und man merkt: die Dagegen-Menschen rund um Katharina Schulze und Helga Stieglmeier werden nervös. Oder volkstümlich ausgedrückt: Ihnen geht der Hintern auf Grundeis. Sie haben nun auswärtige Berufsradikale engagiert, die Rathäuser und Stadttore besteigen und Plakate ausrollen.

Und nachdem sowohl das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt das zentrale Argument der noch offenen Kapazitäten auseinander genommen hat, das bestellte Magerl-Gutachten sich als haltlos heraus gestellt hat – gehen sie nun auf den beliebten Schauspieler Charles M. Huber los. Am vergangenen Freitag hat die Bürgerinitiative “Ja zur 3. Startbahn” noch ein Video mit Fakten veröffentlicht und wie bereits bei Wolfgang Fierek und Mariane & Michael ergoss sich eine Flut von Häme über den Schauspieler. Dabei scheut man auch nicht vor Beleidigungen zurück.

Und zum Schluss kommen noch bewusste Falschdarstellungen zu Wort. Beleidigungen lassen sich von den Angehörigen der Bürgerintiative nicht finden – die Grünen sind aber fleissig dabei, zu diskreditieren und weiterhin Falschmeldungen zu verbreiten.

Es wird alles nichts nützen. Denn München sagt “JA zur 3. Startbahn” und zur Abstimmungsparole

JA – NEIN – ZUSTIMMUNG

Weil München sich für die Zukunft entscheidet – für sich und die ganze Region.

Schopper gibt Wählerbetrug zu

Wir hatten mal wieder gesehen, dass es die Grünen mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen. So hatte Theresa Schopper auf ihrer Facebook-Seite gross getönt, sie würde Christian Magerl, den Hans-Dampf-in-allen-Gassen der Fehlinformation, ihre Münchner Stimme leihen.

Wie bereits bei anderen Grünen stellte sich auch bei Schopper schnell heraus: nichts real – auf der Seite “Meine Münchner Stimme” war weder sie noch Magerl irgendwo zu finden. Eine Nachfrage eines Bürgers auf abgeordnetenwatch.de wollte es genau wissen:

Liebe Frau Schopper,
wie ich auf Twitter ( goo.gl ) gelesen habe, geht die Meldung um, Sie würden Ihre Stimme auf meine-muenchner-stimme.de Herrn Magerl schenken. Ich habe mir diese Seite einmal genau angeschaut und dort weder Sie noch Herrn Magerl gefunden.
Entspricht es der politischen Ehrlichkeit, solche Meldungen zu veröffentlichen, die mit der Realität nichts zu tun haben?
Herzliche Grüsse
Wolfgang Heidecker

Theresa Schopper war über so viel Aufmerksamkeit ihrer Wähler nicht begeistert und verlor die Contenance:

Bereits zu Beginn der Patenaktion haben mein Freisinger Landtagskollege und ich uns versprochen, dass ich seine Stimme bin. Christian Magerl ist schon lange eines der prominentesten Gesichtern des Flughafenwiderstands, ich bin eine Vertrauensperson des Bürgerbegehrens. Von daher ist diese Stimme, die ich auch stellvertretend für Christian Magerl abgebe, folgerichtig und wenig überraschend, dass sich unsere Meinungen zum Bau der 3.Startbahn decken.

Es zeigt sich mal wieder: So genau nehmen es die Grünen mit der Wahrheit nicht.

Katharina Schulze: Wir werden dem Vorhaben zustimmen

Im dritten und letzten Teil des Interviews mit Katharina Schulze wollen wir die Auswirkungen des Bürgerentscheids ein wenig näher beleuchten.

Katharina, eine Frage beschäftigt die Menschen nach vielen Äusserungen von Grünen-Politikern: Was machen die Grünen, wenn die Münchner sich für den Bau der 3. Start- und Landebahn aussprechen?

Wir werden im Stadtrat dem Vorhaben zustimmen.

Was würde passieren, wenn die Dagegen-Initiativen zwar gewinnen, aber da Quorum nicht erreicht würde?

Dann ist das Bürgerbegehren gescheitert. Dies sind nun einmal die Regeln und dann würde weiter der Stadtratsbeschluss gelten. Diese Regelungen haben auch einen gewissen Schutzcharakter vor willkürlichen Entscheidungen kleiner Minderheiten.

Es ist dann sicher argumentativ schwierig, dies auch so zu vermitteln. Aber wir müssen uns auch an gesetzte Regelungen halten.

Es gibt zwei Bürgerentscheide am 17. Juni 2012. Wie kam es dazu?

Wir hatten im Herbst letzten Jahres das Bürgerbegehren “München gegen die 3. Startbahn” gestartet und hier Anfang Januar 2012 rund 25.000 Unterschriften zusammen. Offenbar wurde es den drei grossen Parteien im Stadtrat – CSU, SPD und FDP – dann etwas mulmig und sie haben ein eigenes Ratsbegehren gestartet. Dies hängt auch damit zusammen, dass nur so dann die Stadt sich inhaltlich äussern kann und nicht neutral sich verhalten muss. Das Ratsbegehren wurde im Januar beschlossen, obwohl wir zur SPD gesagt haben: Wartet noch eine paar Wochen und wir haben die Unterschriften zusammen.

Ich halte dies für problematisch, da nun neben zwei Bürgerbegehren zum selben Thema auch noch eine Stichfrage zu beantworten ist. Wir haben immer wieder die Rückmeldung, dass dies die Wähler verunsichert.

Wäre es dann nicht besser gewesen, das Bürgerbegehren der Grünen zurück zu ziehen? Der Stadtrat hat die Frage immerhin zur Abstimmung gestellt.

Nein, den dies wäre vor allem für unsere Motivation schwierig gewesen. Es war sehr schwierig, die Unterschriften im Winter – bei grosser Kälte und Unwetter – auf der Strasse zu sammeln. Hätten wir als Vorstand dieses Bürgerbegehren zurück gezogen, wäre es für uns sehr schwierig gewesen in dem nun stattfindenden Abstimmungskmapf unsere Mitglieder zu motiviere, auf die Strasse zu gehen.

Man muss an dieser Stelle auch sagen, dass es für uns zunächst eine grosse Arbeit war, das Thema überhaupt publik zu machen. Als wir im vergangenen Jahr angefangen hatten, war der Flughafen überhaupt nicht präsent – jetzt ist er dies und dies war ein wesentliches Verdienst von uns. Wir musste dabei gegen das Desinteresse der Medien ankämpfen, die weder das Thema transportiert noch die Einschreibestellen veröffentlicht haben. Sie haben uns lediglich auf Anzeigen verwiesen.

Es ist in diesem Zusammenhang auch spannend, dass der Abstimmungstermin auf den 17. Juni 2012 gelegt wurde: Es ist ein Sonntag unmittelbar nach den Pfingstferien und an diesem Tag ist findet auch noch ein Spiel der deutschen Fussballnationalmannschaft statt. Ich möchte es niemand unterstellen, aber man könnte durchaus auf den Gedanken kommen, die Stadtratsmehrheit hätte diesen Tag bewusst gewählt.

Wie ist die Ressonanz aus Deiner Sicht auf das Bürgerbegehren?

Diese ist durchaus gut. Wir haben viele Gespräche am Infostand und klären die Menschen auf. Natürlich ist dies nicht jedesmal eine Stimme für uns, aber das Gespräch ist schon einmal wichtig. Ansonste kommen wir auch immer wieder in der Presse vor und können unsere Themen transportieren.

Die Pro-Seite scheint aber eine deutlich bessere Ressonanz zu haben: sie bieten viele Prominente auf wie Alt-Oberbürgermeister Vogel und haben auch die Fussballvereine hinter sich. Spricht dies nicht dafür, dass hier Pro-Seite besser verankert ist?

Nein. Wir setzen nicht auf Prominente. Wir setzen auf Argumente. Wir wollen überzeugen und aufklären. Dies ist unser Ansatz. Ich denke, die Pro-Seite wird auch nicht weiter kommen mit den vielen Prominenten. Was die beide Fussballvereine betrifft, sind die Profi-Ligagesellschaften dafür, nicht die Vereine – aber dies ist schwierig zu vermitteln.

Im Übrigen haben wir auch Sympathieträger wie Konstatin Wecker oder Hans Söllner. Aber auch die beiden Kirchen sind gegen den Bau der dritten Startbahn und wollen beispielsweise ihre Grundstücke, die sie auf dem Gelände besitzen, nicht an die FMG verkaufen.

Ihr wolltet ursprünglich bereits im Herbst die Unterschriften zusammenhaben. Ist nicht auch dies ein Indiz dafür, dass das Thema kaum Nachhall findet?

Nein. Wir haben öffentlich zwar immer gesagt, dass wir im Herbst bereits die Unterschriften zusammenhaben wollen. Aber inter haben wir durchaus damit gerechnet, dass dies später wird.

Es gab im vergangenen Jahr zu dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ein Volksbegehre in Baden-Württemberg. Siehst Du hier Parallelen? Dies auch dem Hintergrund der Rechtzeitigkeit des Volksbegehrens.

Nein, hier sehe ich keine Parallelen. Zunächst muss man feststellen, dass in Stuttgart bereits der Bau begonnen hatte. In München sind wir derzeit erst in dem Stadium, dass der Plan festgestellt wurde und die Gerichtsprozesse angelaufen sind. Und in Stuttgart war die Ressonanz auch deutlich grösser, dort gab es Montagsdemonstrationen und auch auch Ausschreitungen. So etwas gab und wird es in Münche sicher nicht geben.

Es gibt noch einen anderen ganz wesentlichen Unterschied: Der Bahnhof liegt in der Stadt, der Flughafen weit ausserhalb Münchens. Dadurch war in Stuttgart eine wesentlich stärkere Betroffenheit gegeben.

Katharina, zum Schluss würde uns interessieren, was ma aus Deiner Sicht an dem Verfahren zum Bürgerentscheid verbessern sollte?

Ein wichtiger Punkt wäre, dass ein gleichzeitiges Ratsbegehren abgeschafft gehört. Dies verwirrt die Menschen und trägt auch zum Verdruss bei. Ein anderer Punkt ist, dass die Medien zur kostenlosen Veröffentlichung der Eintragsstellen verpflichtet werden sollten. Hier bin ich mir aber bewusst, dass dies mit der Pressefreiheit Probleme geben könnte.

Die Interviews mit Katharina Schulze und Tim Osten können Sie unter der Rubruk “Im Interview” komplett lesen. Dag Burns wird am kommenden Dienstag hier einen Artikel zum Münchner Bürgerentscheid veröffentlichen.

Der Wert von Gutachten … wenn die Grünen ein Gutachten bestellen

Über das bestellte Gutachten zu den Arbeitsplatzwirkungen der Grünen bayerischen Landtagsfraktion

Zwischenzeitlich liegt auch das Gutachten vor, welches die Grünen gestern mit lautstarken Worten angekündigt haben. Was gestern schon ersichtlich war, wird heute schnell deutlich:

Das Gutachten ist eigentlich nichts anderes als eine Ansammlung von Meinungen, die seitens der Grünen bereits bekannt waren.

Zunächst fällt bereits methodisch auf, dass der Gutachter an vielen Stellen behauptet, es wäre etwas zwischenzeitlich Standard – und bleibt hierfür jedoch jeden Beweis schuldig. Wer so vehement ein Gutachten, welches nicht nur wissenschaftlichen Grundsätzen folgt, sondern auch von unabhängigen Insitutionen wie der Planfeststellungsbehörde geprüft wurde, muss relativ sicher sein in seinen Aussagen und diese belegen können. Diesem Erfordernis kommt der Gutachter nicht nach.

Aber auch an anderen Stellen leidet das Gutachten darunter, dass hier eine vorgefertigte Meinung bestätigt werden sollte.  So behauptet der Gutachter auf S. 30

Die Kaufkraftströme werden im Gutachten unvollständig behandelt.Es werden nur vorteilhaft (aus Sicht des Auftraggebers des Gutachtens) wirkende Effekte behandelt. Kausalitäten werden behauptet, aber nicht nachgewiesen.

Man sucht aber vergebens, diese auch noch in seinen Ausführungen zu finden. Richtig ist zwar die Schlussfolgerung, dass die Arbeitsplatzwirkungen “überzeichnet” sein können durch das Fehlen der negativen Kaufkraftströme. Welcher Art diese jedoch sind und welches Nettoergebnis dabei entsteht, bleibt der Gutachter jedoch schuldig.

Der Gegen-Gutachter der Grünen bemängelt, dass ihm und Anderen Daten, die Grundlage der Intraplan-Analyse waren, nicht zugänglich gemacht wurden. Diese Kritik ist zwar nicht ganz unberechtigt, jedoch kann jeder entsprechende Daten einkaufen – und sie dann verfügbar machen. Der Gutachter, Prof. Thießen, macht dann aber den grundsätzlichen Fehler, sich auf “Prognoseergebnisse” zu stützen und behauptet pauschal,:

Tatsache ist, dass die Prognose im Fall Münchens zu hoch war. Genau dasselbe Phänomen trat beim Gutachten für den Ausbau des Flughafens Frankfurt auf.

Wie er zu dem Ergebnis kommt, versucht er gar nicht erst darzulegen. Vielmehr unterstellt er, dass Intraplan aufgrund seiner reduzierten Prognosewerte im Gegensatz zum ersten Gutachten erneut falsch liegt. Ein solcher Schluss ist bereits deshalb unzulässig, weil zwischen dem ersten Gutachten und der Ergänzung 2007 es grundlegende wirtschaftliche Verschiebung eingetreten sind. Diese haben generell die wirtschaftliche Entwicklung in einem schlechteren prognostischen Umfeld sich darstellen lassen.

Auch ein Rückgriff auf die Prognosen zum Flughafen Rhein-Main-Airport Frankfurt und die dort aufgetretenen Verschiebungen ist methodisch unzulässig, um dahingehend intraplan eine Ungenauigkeit auf München zu unterstellen. Hier bleibt der Gegen-Gutachter bereits schuldig, wieso diese Verschiebungen aufgetreten sind.

Völlig abstrus wird die Argumentation, wenn der Gutachter die Abgrenzung der Untersuchungsregion kritisiert. Auf Seite 11 heisst es hierzu:

Die Gutachter unterscheiden zwischen dem Untersuchungsgebiet und der Metropolregion. Das Untersuchungsgebiet ist ein Gebiet mehrerer Kreise im Umkreis des Flughafens, das im Südwesten durch die Stadt München ergänzt wird. Der sog. Münchener Speckgürtel, in welchem sich dynamische und für die Region wichtige Unternehmen befinden, wird nicht in das Untersuchungsgebiet einbezogen. Dabei hat sich gerade in diesem Speckgürtel in der Vergangenheit Wachstum gezeigt (vgl. Thierstein, 2009).

Die Unternehmen und Anwohner dieser Zone benutzen den Flughafen nicht weniger als die Anwohner des Untersuchungsgebietes.

Die Schlussfolgerin in diesem Absatz ist zwar richtig. Jedoch wirkt sich dies auch nach den eigenen Aussagen des Gutachters positiv auf die Verkehrszahlen für den Flughafen München aus. Dies bleibt der Gegen-Gutachter jedoch in seiner weiteren Ausführungen schlicht schuldig, weshalb dieses Gutachten seine Brauchbarkeit bereits an diesem methodischen Fehler eingangs verliert.

Es kommt jedoch noch an einer anderen Stelle dazu, dass der Gegen-Gutachter methodisch dermassen unsauber arbeitet, dass dadurch der Wert des Gutachtens vollkommen entblösst wird – er ist nicht vorhanden. Wenn der Gegen-Gutachter ausführt, dass die Passagiere in fremden Regionen Geld ausgeben (S. 14 ff.), so ist dies richtig. Der Schluss jedoch, dass dadurch negative Auswirkungen auf den Heimatmarkt auftreten, ist in dieser Konsequenz mindestens anzweifelbar – aber im Ergebnis falsch. Passagiere geben auf Reisen Geld beispielsweise für Unterbringung oder Verpflegung aus oder auch für Souvenirs – dies würden sie nicht tun, wenn sie daheim bleiben. Bestenfalls kommt es zu einer Umlenkung dieser Ströme, wenn die Passagiere statt nach Mallorca fliegen nach Österreich fahren.

Im Ergebnis kommt man zu dem Schluss, dass es sich nicht um ein Gutachten, sondern allenfalls um einen Diskussionsbeitrag handelt. Die methodischen Fehler und die fehlende Begründungsfähigkeit des Gegen-Gutachters entwerten seine Aussage – was vor dem Hintergrund des Bestellers des Gutachtens nicht anders zu erwarten war.

Damit bleiben die Aussagen weiter gültig: Der Flughafen München ist anhand seiner vergangenen Leistungen wie auch auf der Basis der dargestellten Prognosen von intraplan weiterhin ein Wachstumsmotor – mit einer dritten Start- und Landebahn.