Wir schliessen

Wie sagt man so schön: Alle Messen sind gesungen. So auch beim Flughafen, nachdem vor zwei Tagen das Ergebnis des Münchner Bürgerentscheides verkündet ist – wir verweisen auf die einschlägigen Veröffentlichungen.

Dieser Blog wurde gegründet aus der Verwunderung heraus, dass aufgeMUCkt sich so hartnäckig weigert, seine Strukturen und Finanzen offen zu legen – und dies bei einer dahinter stehenden Partei, die eigentlich einmal für etwas anderes angetreten ist. Geworden ist daraus, dass eine etwas grössere Information angeboten worden ist.

Die Gegenseite hat bewiesen, dass ihr irgendwie der Humor abhanden gekommen ist – den sie im Gegenzug aber von anderen erwartet. Nun, dies soll ihr Problem sein – nicht meines. Sie scheinen sich aber einfach zu wichtig zu nehmen, als noch für Karrikaturen offen zu sein. Oder – wohl auch dies ein Stück weit – ihnen ist die Macht zu Kopf gestiegen. All diese Verhaltensweisen kenne ich aus totalitären Regimen, nicht aus Demokratie. Es verwundert umso mehr, da gerade die Grünen ansonsten nicht zimperlich sind wenn es darum geht, auszuteilen – auch unter der Gürtellinie.

Gerade jedoch die massive Vorgehensweise gegen diese Präsenz war etwas, was mich verwundert hat. Die Zugriffszahlen sind veröffentlicht und da haben wohl einige mehr Angst gehabt als es in irgendeiner Form gerechtfertigt war. Die Angst vor den Fakten wohlgemerkt, die hier stehen und die die Grünen wohlweislich verschwiegen oder verdreht haben.

Mir wurde vorgeworfen, ich würde verleumden und hetzen. Man würde meine Identität feststellen und die Cyberpolice wäre mir auf der Spur. Ich wurde unter Androhung rechtlicher Konsequenzen – aber ohne Angabe der jeweiligen Anspruchsgrundlage – aufgefordert, dies hier alles zu löschen. Nun, all dies wird nicht geschehen und im Sande verlaufen. Und dies ist auch richtig so.
Ich sehe keine Hetze und keine Verleumdung, denn all dies, was hier geschrieben steht beruht entweder auf Fakten und Tatsachen – oder ist meine persönliche Sichtweise. Ich kann verstehen, dass einige der handelnden Akteure, sich nicht unbedingt hier wieder finden wollen – Äusserungen im öffentlichen Raum sollten auch deshalb immer wohl durchdacht sein.

Persönlich hoffe ich, dass die Akteure rasch und unwiderruflich die Macht wieder verlieren, denn sie haben gezeigt: sie können einfach nicht damit umgehen. Es ist deshalb besser, die Entscheidungsgewalt wieder in die Hände zu legen, die sich damit auskennen und die damit umgehen können – denn was kein Staat und keine Gesellschaft gebrauchen kann sind Parteien und Parteischranzen, die keine andere Meinung als die eigene gelten lassen wollen. Als ein Mensch mit historischem Verständnis ist dies meine Schlussfolgerung der Geschichte, dieser und auch der weiteren.
Ein bisschen mehr an Gelassenheit wäre hier vielleicht ganz zielführener gewesen von den ganzen Schultzes, Janeceks und Stieglmeiers – Politik ist nicht das Leben und Diskussionen sollten immer möglich sein. Man sollte sich immer auf ein Pils treffen können!!!

Die Angriffe sind an mir abgeprallt, die freundlichen Worte waren immer willkommen. Damit wird nun auch Tim Osten wieder in das Nirwana entschwinden. Die Präsenz hier wie auf Twitter und Facebook bleibt erhalten – denn ich sehe keine Veranlassung, diese zu löschen. Die Email-Adresse von Tim Osten ist nicht mehr erreichbar und wird dann gelöscht. Die Passwörter werden so gestellt, dass ich sie rasch vergesse – eine Änderung ist deshalb nicht mehr möglich.

Dem Flughafen eine prosperierende Zukunft und allen Anderen – wohlgesonnen oder auch nicht – wünsche ich alles Gute für die Zukunft.

Mit den besten Wünschen für Ihre Zukunft

Ihr Tim Osten

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Zum Schluss die Zugriffszahlen

Es wurde viel spekuliert scheinbar und einige der Akteure auf diesem Blog scheinen eine richtige Panik bekommen zu haben. Nun auch deshalb – nachdem alles gesungen ist und wir schliessen: hier die nackten Zahlen zum Zeitpunkt der Öffnung  der Wahllokale – die Zugriffszahlen.

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Wir hatten zuletzt auf dieser Seite 104 Follower, die jedes Posting nach ihrem eigenen Eintrag automatisch zugesandt bekommen haben. Auf Twitter sind mehr als 280 Tweets und hier rund 60 Comments.

Heute gilt es: JA – NEIN – ZUSTIMMUNG

Heute gilt es, dass offizielle Abstimmungsmotto des Bürgerbegehrens umzusetzen:

JA – NEIN – ZUSTIMMUNG

JA zur einer sinnvollen und ausgewogenen Erweiterungen des Münchner Flughafens, damit München auch in Zukunft den Anschluss an die Welt nicht verpasst

NEIN zur Verhinderungspolitik, die auf Ideologie setzt und keine Alternativen für die Bewältigung der Mobilitätsanforderungen gibt

ZUSTIMMUNG zu einer weltoffenen und liberalen Stadt München, die ihre Gäste gerne begrüsst und ihnen keine unnötigen, klimaschädlichen Umwege auferlegt.

Und hier auch noch einmal der Stimmzettel, der Sie in Ihrem Abstimmungslokal erwartet.

Ein schönen, erfolgreichen Sonntag. Gott vergelt´s.

Ude und Seehofer rufen zur Abstimmung auf

Kurz vor dem Bürgerentscheid über den Bau der 3. Start- und Landebahn rücken die Befürworter immer enger zusammen. Gemeinsam rufen nun Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Christian Ude die Bürger zur Abstimmung in München auf und bekräftigen ihr JA zur 3. Startbahn.

Oberbürgermeister Christian Ude

Christian Ude betont, dass es bei der Entscheidung über den Bau einer 3. Startbahn um mehr ginge, als nur um den Ausbau des Münchner Flughafens. „Es geht um Tausende neue Arbeitsplätze, um mehr Wirtschaftskraft und um Mobilität für die gesamte Region. Es geht um die Zukunft unserer Stadt!“, so der Münchner Oberbürgermeister. München stehe heute glänzend da, wollen man aber den Wohlstand auch für die Zukunft erhalten, müsse man jetzt handeln. Ude: „München braucht die 3. Startbahn.“

Horst Seehofer unterstreicht die Bedeutung des Flughafens für den gesamten Freistaat Bayern: „Der Aufschwung des Exportlands Bayern seit Anfang der 90er Jahre ist untrennbar verbunden mit dem Franz-JosefStrauß-Flughafen als Drehkreuz von europäischem Rang. Der

Ministerpräsident Horst Seehofer

Münchner Flughafen ist wirtschaftlicher Impulsgeber und Beschäftigungsmotor für ganz Bayern.“, erklärt der CSU-Chef. Die Welt wachse zusammen und Bayern dürfe nicht abseitsstehen. „Die Münchnerinnen und Münchner haben es in der Hand zu bekennen: Zukunft statt Blockade!“, appelliert der Ministerpräsident.

Die gemeinsame Endspurt-Kampagne des Bündnisses der StartbahnBefürworter soll die Münchnerinnen und Münchner in den letzten Stunden mobilisieren.

>> Pressebericht im Münchner Merkur

Münchner Flughafen: Dafür sein, dagegen zu sein

In einem sehr ausgewogenen Bericht stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 1. Juni 2012 das FUR – und auch das GEGEN – für die Erweiterung des Münchner Flughafens dar.

Am 17. Juni stimmen die Münchner über den Ausbau des Flughafens „Franz Josef Strauß“ ab – obwohl dieser 30 Kilometer entfernt liegt. Das ohnehin mäßige Interesse könnte noch durch einen anderen Umstand geschmälert werden: die Semantik auf dem Stimmzettel.

Von Albert Schäffer, München

Die Münchner können sich am 17. Juni als Avantgarde der direkten Demokratie in Deutschland bewähren. An diesem Datum entscheiden sie über ein Bauvorhaben jenseits der Stadtgrenze von München. Es geht um die Errichtung einer dritten Start- und Landebahn am Flughafen „Franz Josef Strauß“, der dreißig Kilometer von der Stadt entfernt im Erdinger Moos liegt. Unmittelbar betroffen sind Anlieger in den Landkreisen Erding und Freising. Dass dennoch nicht sie, sondern die Münchner entscheiden, was aus dem Vorhaben wird, liegt an der Eigentümerstruktur des Flughafens. Gesellschafter sind der Freistaat Bayern (51 Prozent), der Bund (26 Prozent) und die Stadt München (23 Prozent).

So unterschiedliche politische Kräfte wie die Grünen, die Freien Wähler, die Linkspartei und Umweltverbände wollen die städtische Beteiligung als Hebel nutzen, um den Bau der Start- und Landebahn zu verhindern. Das Bündnis will die Stadt in einem Bürgerentscheid verpflichten, in der Gesellschafterversammlung gegen das Vorhaben zu stimmen. Es ist die einzige Möglichkeit einer plebiszitären Legitimation für das Großprojekt; ein Volksentscheid für ganz Bayern wäre rechtlich kaum zulässig, da ein solcher auf Erlass, Änderung oder Aufhebung eines Gesetzes gerichtet sein muss.

Alles ruhig

Die Gemüter in der Stadt hat die Entscheidung am 17. Juni bislang nicht groß bewegt, obwohl sich nicht nur die Gegner, sondern auch ein Bündnis von Befürwortern um Aufmerksamkeit bemühen: für die dritte Start- und Landebahn werben CSU, SPD, FDP, Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen. Dabei wird nicht nur auf das traditionelle Arsenal der Wählermobilisierung durch Plakate, Handzettel und Infostände vertraut, sondern auch soziale Netzwerke wie Facebook eingesetzt. Gegnern wie Befürwortern fällt es schwer, die rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Fragen, die mit dem Flughafenausbau verbunden sind, so zuzuspitzen, dass sie die Gespräche in den Biergärten und Kaffeehäusern bestimmen.

Gerungen wurde um die Größe des Münchner Flughafens schon während seiner Planung, die in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann. Als er 1992 in Betrieb ging, waren in einem Prozessmarathon aus ursprünglich vorgesehenen vier Start- und Landebahnen zwei geworden. Seither hat sich die Zahl der Flugbewegungen mehr als verdoppelt. Wurden im ersten Jahr des Flughafenbetriebs noch 192000 Starts und Landungen verzeichnet, sind es im vergangenen Jahr 410000 gewesen. Die Zahl der Fluggäste stieg in dieser Zeit von 12 auf 38 Millionen. Im Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern zur dritten Start- und Landebahn wird die Zahl der Flugbewegungen, gestützt auf Gutachter, für 2025 auf 590.000 geschätzt; ohne den Ausbau wären nur 480.000 zu erwarten.

Ausreichende Wachstumsreserve

Die Gegner stützen sich darauf, dass mit den zwei bestehenden Start- und Landebahnen 520.000 Flugbewegungen im Jahr möglich wären. Damit sei eine ausreichende Wachstumsreserve für die nächsten Jahrzehnte vorhanden. Die Befürworter des Ausbaus halten diese Betrachtung für zu eng; schon jetzt sei die Nachfrage nach Start- und Landemöglichkeiten zu Hauptverkehrszeiten so hoch, dass sie nicht befriedigt werden könne. Nur mit einer dritten Start- und Landebahn könnten die Voraussetzungen für ein Wachstum geschaffen werden, das notwendig sei, damit München seine Stellung unter den großen Flughäfen in Europa behaupten könne.

Um Zahlen und ihre Interpretation streiten Gegner und Befürworter auch, wenn es um die Kosten des Baus der dritten Start- und Landebahn geht, die viertausend Meter lang und sechzig Meter breit werden soll. Die Flughafengesellschaft gibt die Kosten, auch für den Bau einer dritten Feuerwache, die Anschaffung von Rollbrücken, den Bau von Abstellmöglichkeiten für Flugzeuge sowie Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe in Flora und Fauna, mit 1,25 Milliarden Euro an, die sie aus eigener Kraft aufbringen will. Die Steuerzahler, so wird betont, würden nicht zur Kasse gebeten. Die Gegner hingegen führen ein beliebtes Argument gegen Großplanungen ins Feld, nämlich dass diese immer weit teurer würden als zunächst geschätzt. Sie verweisen darauf, dass zu Beginn der Planungen für den Flughafen, der den alten Start- und Landeplatz im Münchner Stadtteil Riem ersetzte, von 800 Millionen Mark die Rede gewesen sei, aus denen bei der Fertigstellung 8,55 Milliarden Mark geworden seien.

„München soll München bleiben“

Jenseits des Streits um Zahlen und Prognosen geht es in der Auseinandersetzung darum, welches Wachstum zu welchen Kosten in Deutschland gewollt ist. Die Befürworter führen den vielfältigen wirtschaftlichen Nutzen ins Feld, den der Großraum München und ganz Bayern aus der Entwicklung des Flughafens gezogen hat, angefangen von fast 30.000 Arbeitsplätzen am Flughafen über Unternehmen, die sich in der Nachbarschaft angesiedelt haben, bis zu den Ausfuhren von Gütern, die in Bayern produziert werden. Die Gegner kehren das Argument, durch eine weitere Start- und Landebahn könne diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden, in sein Gegenteil: München drohe ohnehin schon, „aus allen Nähten zu platzen“ – erschwinglicher Wohnraum sei knapp und die Verkehrsinfrastruktur überlastet. München müsse weiterhin „lebenswert“ sein: „München soll München bleiben.“

Wer polemische Zuspitzungen schätzt, könnte auf den Gedanken verfallen, die Gegner stritten für eine Provinzialisierung, die Befürworter für eine Globalisierung Münchens. An der Frage, welches Wachstum gewollt ist, bemisst sich auch, welche Belastungen den Anliegern des Flughafens zugemutet werden dürfen. Sie müssten bei einem Ausbau mehr Fluglärm und Abgase ertragen; am härtesten würde es den Attaching, ein Dorf im Stadtgebiet Freisings, treffen. Die Befürworter halten es im Hinblick auf ein wirtschaftliches Wachstum, das ganz Bayern durch die dritte Start- und Landebahn zugutekommen würde, für gerechtfertigt, den Anliegern dieses Opfer abzuverlangen, verbunden mit einer angemessenen Entschädigung.

Für und Wider

Ähnlich strittig wie die Frage, welche Lärmbelastung zumutbar scheint, ist auch die Abwägung von ökonomischen und ökologischen Auswirkungen. Der Flächenbedarf einer dritten Start- und Landebahn wird im Planfeststellungsbeschluss mit rund 871 Hektar angegeben. Auswirkungen auf ein Vogelschutzgebiet, in dem unter anderem die Wiesenschafstelze, der Wachtelkönig, der Trauerschnäpper und der Flussregenpfeifer heimisch sind, seien nicht vermeidbar, könnten aber unter anderem in der Nachbarschaft ausgeglichen werden, heißt es in dem Beschluss.

Wer wollte, könnte die nächsten Jahre mühelos damit zubringen, Unterlagen zum Für und Wider des Ausbau zu studieren; allein der Planfeststellungsbeschluss, gegen den eine Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig ist, umfasst 2873 Seiten. Einige Vorbereitungszeit müssen die Münchner, wollen sie am 17. Juni abstimmen, sich in jedem Fall nehmen. Sie erwartet auf dem Stimmzettel die Beantwortung von gleich zwei Fragen samt einer Stichfrage – der Stadtrat hat dem Bürgerbegehren, das die Gegner des Vorhabens auf den Weg gebracht haben, ein eigenes Begehren zur Seite gestellt, damit nicht die Semantik den Ausgang des Streits bestimmt.

Die Angst geht um

Die Formulierung der Gegner, ob der Wähler dafür stimmt, dass die Stadt in der Gesellschafterversammlung des Flughafens dem Bau einer dritten Start- und Landesbahn nicht zustimmt – ob man also dafür ist, dagegen zu sein – mag in einer Stadt, in der Karl Valentin zu Hause war, zwar zu meistern sein. Die Stadtratsmehrheit hat mit ihrem Begehren dennoch vorgesorgt; dort werden die Münchner gefragt, ob sie wollen, dass die Stadt dem Ausbau zustimmt – ob sie also dafür sind, dafür zu sein. Sowohl bei Befürwortern wie auch Gegnern geht die Angst um, am 17. Juni könnte das vorgeschriebene Quorum verfehlt werden; bei einem Bürgerentscheid in einer großen Kommune wie München muss mindestens eine Mehrheit von zehn Prozent der Stimmberechtigten eine gestellte Frage bejahen.

Die Neigung der Münchner an Sonntagen wie dem 17. Juni einen der nahen Seen dem Stimmlokal vorzuziehen, könnte eine seltsame politische Logik verstärken, die mit dem Bürgerentscheid verbunden wird. Entscheiden sie sich gegen die dritte Start- und Landebahn, ist das Vorhaben für geraume Zeit gescheitert; nur mit einem einstimmigen Beschluss in der Gesellschafterversammlung des Flughafens ist ein Bau möglich. Erhält der Ausbau hingegen das Plazet der Münchner, sehen sich die Gegner außerhalb der Stadt nicht an das Votum des Bürgerentscheids gebunden. Sie wollen sich bei einem solchen Ausgang mit dieser repräsentativen Variante der plebiszitären Demokratie, bei der die Münchner gleichsam als ihre Vertreter agieren, nicht abfinden – was die Münchner wiederum für so undankbar halten könnten, dass sie am 17. Juni erst gar nicht zum Stimmzettel greifen.

Durch den Flughafen: Zu viele freie Jobs

Der Flughafen ist eine Jobmaschine für Freising und Erding. War die Region bis Mitter der 1980er Jahre noch strukturschwach, so hat Freising seit der Ansiedlung des Flughafens durchweg die niedrigsten Arbeitslosenraten Deutschlands – derzeit nimmt der Landkreis die Spitzenstellung ein.

Wir drucken hier einen Beitrag von sueddeutsche.de vom 31. Mai 2012 ab.

Von Kerstin Vogel, Freising

In den Landkreisen Freising und Erding in Bayern herrscht praktisch Vollbeschäftigung, die Arbeitlosenquote ist die niedrigste in Deutschland. Doch das bringt auch Probleme.

Take off – auch für Jobs

Der 17-jährige Claus hatte es in der Schule nicht leicht. Aus schwierigen Familienverhältnissen kommend, eckte er häufig, an, die Noten passten nicht und er stand kurz davor, von der Schule verwiesen zu werden. Doch die Freisinger Arbeitsagentur brachte ihn in einem Projekt zur Einstiegsqualifizierung unter. Claus, der eigentlich anders heißt, macht sich gut – und wird wohl im September eine Lehrstelle als IT-Systemelektroniker bekommen.

Kleine Erfolgsgeschichten wie diese sind in der Boomregion rund um den Münchner Flughafen nicht einzigartig: Im Bereich der Arbeitsagentur Freising und Erding müssen sich Jugendliche schon sehr anstrengen, wenn sie wirklich durch die Raster fallen wollen. Hier sind sie auch dann noch gefragt, wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen.

Denn aktuell stehen den 1756 offenen Ausbildungsstellen nur 1520 Bewerber gegenüber – und das hat dazu geführt, dass die Firmen ihre Anforderungen senken und um die Lehrlinge konkurrieren, wie Agenturchefin Karin Weber sagt: “Die betreiben schon fast Marketing.”

Bei einer Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent (2011) herrscht in den Landkreisen Freising und Erding zudem im Prinzip Vollbeschäftigung. Händeringend gesucht werden Kraftfahrer, Mitarbeiter im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Pflegebereich – aber auch und ganz besonders Facharbeiter im Handwerk.

Der Fachkräftemangel beschäftige die Flughafenregion seit bald einem Jahrzehnt, sagt Weber – und Kreishandwerksmeister Martin Reiter hat große Sorgen, weil immer weniger junge Menschen Maurer, Zimmerer oder Bauelektriker werden wollen: “Ein 16-Jähriger geht lieber im Anzug ins Büro als mit Latzhose und Sicherheitsschuhen auf die Baustelle.”

Also wirbt die Arbeitsagentur nicht nur um Jugendliche. Auch Frauen, die nach einer Familienpause wieder in den Beruf wollen, werden gezielt angesprochen, ältere Arbeitnehmer, die andernorts schon als schwer vermittelbar gelten, hat man gleichfalls auf dem Radar.

Rolle des Flughafens

Natürlich trägt der nahe Münchner Flughafen viel zu diesen nahezu paradiesischen Zuständen bei. Aktuell arbeiten hier knapp 30.000 Menschen. Seit der Eröffnung 1992 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Freising um mehr als 80 Prozent gestiegen. Am Flughafen selber wird immer gesucht: Speditionskaufleute, Lagerarbeiter, Köche, Flugzeugabfertiger oder Sicherheitspersonal.

Doch Karin Weber zitiert gerne, dass ihre Agentur schon seit 1990 im Jahresdurchschnitt die günstigste Arbeitslosenquote bundesweit hat – und seit 1987 in Bayern. Für den Erfolg gibt es neben dem “Jobmotor” Flughafen andere Faktoren, die sie sehr hoch bewertet. Den gesunden Branchenmix etwa, den es in dieser Region schon immer gab. Die zehn größten Arbeitsgeber gehören zehn verschiedenen Wirtschaftszweigen an. Und noch arbeiten mit knapp 19.000 genauso viele Menschen in Betrieben mit einem bis neun Mitarbeitern, wie in den Großfirmen mit mehr als 1000 Beschäftigten.

Auch die Lage im “Speckgürtel” der Landeshauptstadt mit ihrem Angebot an Arbeitsplätzen, kommt der Region zugute. Die in Freising angesiedelten Universitäten, die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und die TU München-Weihenstephan, heben als große Arbeitgeber den Prozentsatz an höher qualifizierten Berufen und die Umstrukturierung in Richtung Dienstleistungen ist im Agenturbezirk weit fortgeschritten: 77 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in diesem als besonders krisensicher geltenden Sektor.

Die Kehrseite aber gibt es trotzdem. Nicht alle Jobs, die mit dem Flughafen entstehen, sind hochdotiert, Agentur-Chefin Weber sieht die zunehmende Zahl von Billigjobs dort durchaus mit Sorge. Denn das Leben in der Region ist mit dem enormen Zuzug teuer geworden.

Allein in der Stadt Freising leben heute 45.199 Menschen, 1990 waren es noch 40.010 – und mit der Bevölkerung explodierten auch die Mieten: Zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter sind in Freising keine Seltenheit – und der Wohnungsvergabebericht der Stadt für 2011 belegt, dass immer mehr Menschen Sozialwohnungen brauchen, darunter auch solche, mit Jobs am Flughafen.

Sozialamtsleiter Robert Zellner hat hier Löhne von sieben bis acht Euro recherchiert: “Das reicht in den meisten Fällen nicht aus, um frei finanzierten Wohnraum anzumieten.”

Teuer ist der Boom auch für die Kommunen, die mit der Finanzierung der Infrastruktur für all die neuen Bürger nicht nachkommen: Straßen, auf denen sie zur Arbeit fahren können, Kindergärten und Schulen für den Nachwuchs, Freizeiteinrichtungen, Supermärkte, ein kulturelles Angebot. Kein Wunder also, dass der Landkreis Freising einen Schuldenberg von 70 Millionen Euro vor sich herschiebt, bei der Stadt Freising werden es Ende 2012 alles in allem sogar 112 Millionen sein.

Entsprechend kritisch werden in der Region die Expansionspläne des Flughafens gesehen – nicht nur wegen der enormen Umweltzerstörung und Lärmbelastung. Bis 2015 soll eine dritte Startbahn gebaut werden, die Zahl der Arbeitsplätze soll sich bis 2020 auf 41.000 erhöhen. Doch der Jubel, den man in einer Arbeitsagentur bei so einer Nachricht erwarten würde, bleibt aus.

Denn auch ohne diesen Ausbau stiege die Zahl der Flughafen-Jobs – wenn auch moderat – auf 32.000 und die Arbeitsvermittler können die Nachfrage nach Arbeitskräften schon jetzt nicht mehr decken, jedenfalls nicht mit Menschen, die auch in der Region leben.

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher aber formuliert deutlich, warum es auch keine Lösung sein kann, noch weitere Arbeitskräfte in die Region zu locken: “10.000 Arbeitsplätze, bedeuten 25.000 Menschen: das würde uns infrastrukturell absolut überfordern.”

Die Sprache der Grünen: Beschimpfung und Verunglimpfung

Der Frust bei den Dagegen-Grünen scheint momentan ziemlich tief zu sitzen – sie fangen an, die Fäkalsprache zu verwenden. Wie sonst käme man dazu, die gegnerische Bürgerinitiative als “bezahlte Marketingsfutzis” zu beschimpfen?

Es ist eben doch der vollkommen leere Infostand. Der Frust ist also durchaus verständlich.

Man sollte vielleicht dazu wissen, dass Sebastian Weisenburger ein aus Steuermitteln bezahlte Dienstkraft des Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag ist. Es stellt sich die Frage, ob Herr Weisenburger so alles in seiner Freizeit macht oder nicht doch eine bezahlter Parteimitarbeiter ist – bezahlt wohlgemerkt aus Steuermitteln. Und auch sonst laufen bei den Grünen sehr viele aus Steuermitteln bezahlte Kräfte rum.

Vielleicht war das “bezahlte Marketingsfutzis” aber auch auf die Grünen Parteiaktivisten gemeint?